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Ausgabe 100 – Herbst 2023

Sigmund Nemeti, Wirtschaftsdelegierter in Jakarta, über Indonesiens Wachstumskurs, regionale Integration und Umweltprobleme.

Sigmund Nemeti, WKÖ Jakarta
Wird Indonesiens Wachstumskurs in den kommenden Jahren so weitergehen?

Nemeti: Darauf deutet alles hin. Die Bevölkerung wächst weiter und damit auch der private Konsum, der ein wesentlicher Wirtschaftsmotor Indonesiens ist. Daneben treiben große Investitionsprojekte wie der Bau der neuen Hauptstadt Nusantara die Wirtschaft an. Auch der Tourismussektor boomt wieder. Und die Inflationsrate wird voraussichtlich in diesem Jahr unter vier Prozent liegen.

Welche Bedeutung hat die Einbettung in den Wirtschaftsverbund ASEAN?

Nemeti: Sie wird immer wichtiger. Indonesien stellt mit Jakarta den Sitz der Organisation. Und Indonesien ist die größte Volkswirtschaft des Verbunds. Der Leitspruch der heurigen indonesischen Präsidentschaft lautet: ASEAN ist das Epizentrum des Wachstums. Indonesien treibt voran, dass die ASEAN-Staaten enger zusammenrücken und als Staatenvereinigung mehr Einfluss gewinnen.

Ist Indonesien also auch ein geeigneter Ausgangspunkt und eine passende Drehscheibe für Business in Südostasien – oder bieten sich da eher Kuala Lumpur oder Singapur an?

Nemeti: Man kann in Indonesien produzieren und zollfrei in die anderen ASEAN-Staaten exportieren. Grundsätzlich investieren ausländische Unternehmen jedoch vor allem wegen des großen indonesischen Binnenmarktes: Das Hauptaugenmerk liegt also auf Indonesien selbst.

Indonesien hat mit großen Umweltproblemen zu kämpfen, darunter Hochwasser und Smog. Wie stark ist das Bewusstsein für Nachhaltigkeit ausgeprägt?

Nemeti: Wenn ich hier in Jakarta aus dem Fenster schaue, dann drängt sich auf, dass die Luftqualität deutlich verbessert werden muss. Dennoch: Es bewegt sich etwas, von der Regierungsebene abwärts. So gibt es merkliche Bemühungen zur Förderung von Elektrofahrzeugen und zum Ausbau des öffentlichen Verkehrs, wie die kürzliche Einführung einer neuen Stadtbahn in Jakarta zeigt. Und auf der Energieebene spielt Kohle zwar nach wie vor die Hauptrolle, aber man investiert auch verstärkt in Wasserkraft oder Geothermie, für die Indonesien aufgrund seiner zahlreichen Vulkane prädestiniert ist.

Vielen Dank für das Gespräch!

Foto: WKÖ

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