Den Aufstieg von Millionen Indern in die Mittelschicht in den vergangenen Jahren konnte Hansjörg Felder nahezu mit Händen greifen. Denn der Wandel löste eine gewaltige Nachfrage nach Wohnraum, Möbeln und damit nach Holzbearbeitungsmaschinen aller Art aus – und letztere verkauft der Tiroler Familienbetrieb Felder am Subkontinent seit mehr als zwanzig Jahren. „Indien ist für uns ein schnell wachsender Markt, der zunehmend auf höhere Technologie setzt“, konstatierte Firmenchef Felder gegenüber dem Veranstalter auf der Wood India 2018. Der Event in Bangalore ist neben Delhiwood die wichtigste Verkaufsmesse für den indischen Holzsektor und spiegelt den Boom wider – die Weltbank erwartet bis auf weiteres ein jährliches Wachstum von zwanzig Prozent. 

Felder ließ sich 2002 in Mumbai nieder, um den Kundenstock mit Schauräumen sowie eigenen Vertriebs- und Servicemitarbeitern ausbauen und langfristig zufriedenstellen zu können. Wegen der hohen Beanspruchung der Maschinen durch vielfältiges Schnittmaterial – von Vollholz bis zu Pressplatten, die mannigfaltige Füllstoffe enthalten – sind die Servicemitarbeiter dabei sogar in der Überzahl. Dies gilt auch für Delhi und Bangalore, wo Felder weitere Niederlassungen eröffnete. 

Bei der Delhiwood 2015 wurde der Verkauf der 3.000sten Maschine gefeiert. Abnehmer war ein Stammkunde, der betonte, dass Name und Qualität seines Betriebs so stark geworden seien wie die Maschinen, auf denen er arbeite. Seither hat Felder hunderte weitere Maschinen am Subkontinent abgesetzt, die Belegschaft ist auf neunzig Mitarbeiter angewachsen.

Standbein mit Mehrwert

Die Eröffnung einer Niederlassung in Chennai 2018 markierte einen neuen Meilenstein: Von der Hafenstadt aus sollen Ostindien, Sri Lanka und die Malediven bedient werden. Dennoch verdankt sich die Standortentscheidung in erster Linie der Chance, hier ein Ausbildungszentrum für Holztechniker zu errichten. 

Das Don Bosco Technical Campus im südostindischen Chennai
Das Don Bosco Technical Campus in Chennai

Die Idee dazu entstand anlässlich eines Besuchs von Father Ashok im Felder Schauraum in Bangalore. Father Ashok leitet den Don Bosco Technical Campus DBTC in Chennai, der neben technischen Berufsausbildungen spezialisierte berufsbildende Trainings in Kooperation mit namhaften Unternehmen wie Tech-Mahindra, Yamaha, Zwick Roell, Godrej oder Toyota anbietet. Die Besonderheit des Ausbildungszentrums: Es richtet sich an arme Jugendliche aus vorwiegend niedrigen Kasten. 

Abgesehen von sozialen Gesichtspunkten war das Angebot, mit einem anerkannten Partner auf den eigenen Maschinen Holztechniker für den lokalen Markt auszubilden, für Felder attraktiv. Der regionale Vertriebsleiter Marco Antoniazzi erklärt: „Für uns eröffnete sich die Chance, beim Verkauf immer besserer Maschinen gut ausgebildete Fachleute mitvermitteln zu können.“ Gemeinsam mit der österreichischen Entwicklungs-NGO Jugend Eine Welt – Don Bosco wurde das Projekt bei der Austrian Development Agency ADA zur Förderung im Rahmen einer Wirtschaftspartnerschaft aufbereitet. „Die Kooperation ist beispielgebend und vorteilhaft für alle Beteiligten“, sagt Hannes Velik, Leiter Internationale Projekte bei Jugend Eine Welt. ADA-Programmmanagerin Susanne Thiard-Laforet nennt „die Verknüpfung von Unternehmensinteressen mit Aufstiegschancen für Jugendliche“ als zentrales Fördermotiv. 

Training Center

Eröffnung der Felder-Werkstätte am Don Bosco Technical Campus im September 2018
Eröffnung der Felder-Werkstätte am Don Bosco Technical Campus im September 2018

Anfang 2017 liefen die Vorbereitungen an. So wurde die Werkstätte am Gelände des DBTC rundum erneuert und nicht zuletzt ein ebener Boden eingezogen. Denn, wie Antoniazzi erklärt, „müssen Maschinen, die von kleinen Hobelmaschinen bis zu CNC Holzbearbeitungsmaschinen reichen, erst einmal geradestehen, damit man darauf vernünftig arbeiten kann.“ Seit der Eröffnung im September 2018 dient die Werkstätte zugleich als Schauraum. Nebenan wurde ein Felder-Büro mit einem erfahrenen Leiter, zwei Vertriebsmitarbeitern und einem Techniker eröffnet. Teil ihrer Aufgabe wird es sein, die Lehrgangsteilnehmer in ihre Arbeitsbereiche einzuführen – und dabei hoffentlich auch Nachwuchstalente für Felder selbst zu entdecken. 

Felder nützt die neue Werkstätte zugleich als Schauraum.
Felder nützt die neue Werkstätte zugleich als Schauraum.

Der erste reguläre knapp zweijährige Lehrgang für 30 Teilnehmer soll im Juli starten – bei der in Indien üblichen Abbrecherquote rechnet Antoniazzi mit 20 Absolventen ab 2021. Das praxisnahe Programm enthält eine technische Grundausbildung, eine offiziell anerkannte Tischlerausbildung und als Add-on eine Ausbildung zum Maschinenbediener. Dazu kommen Soft Skills – Umgang, Sprache, Auftreten etc. –, die DBTC bei allen Kursen anbietet. Felder hat bereits zwei Trainer ausgebildet und zertifiziert und Ausbildungsmaterial erstellt. Für interessierte Jugendliche fanden Schnupperkurse statt, in denen Tische und Sessel für den Eigenbedarf des DBTC gezimmert wurden. „Das Projekt entwickelt sich derart verheißungsvoll“, sagt Antoniazzi, „dass wir bereits überlegen, wo wir Ähnliches aufziehen können.“ 


DAS UNTERNEHMEN

Präzisionstechnologie aus Tirol
Wachstumsmarkt – Felder ist seit mehr als zwanzig Jahren in Indien tätig. Heute verfügt das Unternehmen hier über vier Niederlassungen und rund 90 Mitarbeiter.
Wachstumsmarkt – Felder ist seit mehr als zwanzig Jahren in Indien tätig. Heute verfügt das Unternehmen hier über vier Niederlassungen und rund 90 Mitarbeiter.

Die Felder-Group zählt zu den weltweit führenden Maschinenbauunternehmen in der Holz- und Verbundstoffbearbeitung. Seit der Gründung 1956 hat der Familienbetrieb unter den Marken Hammer, Felder und Format 4 mehr als 180 Maschinentypen großteils neu entwickelt, auf den Markt gebracht und sich als Komplettanbieter für Handwerk, Gewerbe und Industrie etabliert. Planung und Produktion erfolgen am Stammsitz Hall in Tirol, wo insgesamt 650 Mitarbeiter beschäftigt sind. Daneben ist das von Hansjörg Felder geleitete Unternehmen mit mehr als 250 Verkaufs- und Servicestellen in 84 Ländern präsent.

Fotos: Jugend eine Welt, Felder