Interview

Echter Impact muss finanzierbar werden

Ausgabe 85 – Jänner | Februar 2020

Finanzexperte Ulrich Grabenwarter vom Europäischen Investitionsfonds EIF wünscht sich einen proaktiveren Umgang mit dem Thema Impact Investment und sieht eine wichtige Rolle für Entwicklungsbanken.

Ulrich Grabenwarter, EIF
Ulrich Grabenwarter, European Investment Fund
Wie hat sich das Feld der wirkungsorientierten Investitionen in den vergangenen zehn Jahren verändert? 

Grabenwarter: Impact Investments werden für eine immer größere Gruppe von Anlegern interessant, die mit ihrem Kapital mehr als Rendite erreichen wollen. Das betrifft den öffentlichen Sektor, der ja eine besondere Verantwortung für die Verwendung von Steuermitteln trägt, genauso wie private Anleger, die Wert auf einen sozialen oder ökologischen Nutzen ihrer Investition legen. Nur: Bei Impact Investments überwiegt in vielen Bereichen nach wie vor der opportunistische Ansatz. Aus einem Pool von Anlagemöglichkeiten werden jene herausgepickt, die das Risiko-Ertrags-Verhältnis der jeweiligen Investoren zufrieden stellen, und dann innerhalb dieser versucht, den Impact zu maximieren. Wenn wir aber tatsächlich Herausforderungen im Kontext der globalen Ziele für nachhaltige Entwicklung lösen wollen, müssen wir einen Schritt weiter gehen. Wir müssen nach Finanzierungsformen suchen, die Projekte mit dem geforderten Impact überhaupt erst finanzierbar machen. 

Wo sehen Sie den größten Missing Link zwischen privatem Kapital und tragfähigen Projekten mit Wirkungsorientierung?

Grabenwarter: Momentan agieren wir in Silos: Die Ressourcen aus dem philanthropischen Bereich, aus der Entwicklungszusammenarbeit, von Mainstream-Investoren, die Debt- oder Equityrenditen suchen – all diese Finanzierungsformen bearbeiten wir heute in Isolation. Das hat zur Folge, dass wir immer wieder mit philanthropischen Mitteln Projekte finanzieren, die sich zumindest teilweise über Marktmodelle finanzieren ließen. Das ist angesichts von deren begrenzter Verfügbarkeit pure Vergeudung! Und macht letztlich das Investment teurer, weil man nicht versucht, nur so viel an philanthropischem oder risikoabsorbierendem Kapital einzusetzen, wie tatsächlich notwendig ist, um Mainstreamkapital zu mobilisieren. Was es braucht, sind Intermediäre, die Finanzierungsquellen mit unterschiedlichen Rendite-Risiko-Profilen zusammenbringen und daraus ein Finanzinstrument für ein ganzes Spektrum an Investoren entwickeln, anstatt immer nur monodimensionale Investorengruppen anzusprechen. Aber solange das Angebot für Kunden, die sich mit einer x-beliebigen positiven Wirkung ihres Investments zufrieden geben, groß genug ist, wird es keine Motivation geben, durch gezielte Finanzierungsformen zur Erreichung der Agenda 2030 beizutragen.

Welche Rolle können öffentliche Entwicklungsbanken hier einnehmen?

Grabenwarter: Die Mobilisierung von privatem Kapital für entwicklungspolitischen Impact gehört zu den Zielen der Entwicklungsbanken. Das hat in der Vergangenheit aber nur mäßig gut funktioniert, weil die meisten Entwicklungsbanken in den vergangenen Jahren aufgrund von Rating-Agenturen immer strengeren Kriterien unterworfen wurden, die es ihnen faktisch unmöglich machen, mehr Risiko zu übernehmen, als es kommerzielle Banken ohnehin können. Das hat zur Folge, dass Entwicklungsbanken heute eher pari passu mit dem kommerziellen Bankensektor konkurrieren als tatsächlich ihrer Aufgabe nachkommen, entwicklungspolitisch relevante Projekte überhaupt finanzierbar zu machen und damit Mainstreaminvestoren an Bord zu holen. Um das zu ändern, müssten Staaten ihren Entwicklungsbanken wieder Risikokapital zur Verfügung stellen, das sie risikoabsorbierend einsetzen können, ohne dass das voll auf ihre Bilanzen durchschlägt. Gleichzeitig sollte die Kapitalausstattung von Entwicklungsbanken noch stärker an Impactziele geknüpft und somit die Additionalität ihrer Investitionen wieder mehr in den Vordergrund gerückt werden. 

Vielen Dank für das Gespräch.
Foto: Mihai M. Mitrea

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