Entwicklungsbank

Projekte fallen nicht vom Himmel

10/2017 - Die Vorbereitung von Infrastrukturprojekten in Entwicklungsländern auf der grünen Wiese ist anspruchsvoll und risikoreich. Dieser Part wird von Fonds ermöglicht. Die Oesterreichische Entwicklungsbank OeEB hat sich nun aufgemacht und mit einem Consultant aus Österreich ein eigenes Projektentwicklungsunternehmen ins Leben gerufen.

Laos Wasser ist mehr als genug vorhanden.

Während Kommerzbanken sich in der vergangenen Dekade vor größere Herausforderungen gestellt sahen, gediehen die euro­päischen Entwicklungs­banken prächtig. Das gemeinsame Investitions­volumen der Spezialbanken, die im öffentlichen Auftrag ausschließlich in Entwicklungs­ländern tätig sind, hat sich seit 2005 auf insgesamt 38 Mrd. Euro (2016) mehr als verdreifacht, und das mit wachsender Dynamik: Knapp sieben Mrd. Euro waren allein 2016 neu dazugekommen (vgl. Kasten rechts). Beim kürzlich in Washington begangenen 25-Jahr-Jubiläum des Verbands der europäischen bilateralen Entwicklungs­finanz­institutionen, kurz EDFI, gab es somit Grund zum Feiern.

Bei den EDFI handelt es sich um fünfzehn staatlich beauftragte Banken, von denen die holländische FMO und die deutsche DEG die größten, die britische CDC die weitaus älteste und die österreichische OeEB die jüngste ist, um nur einige zu nennen. Sie unterstützen mit langfristigen Darlehen, Garantien und Beteiligungen überwiegend privat­wirtschaft­liche Projekte in Entwicklungs­ländern, die für kommerzielle Banken zu riskant sind und einen messbaren Beitrag zu nachhaltiger Entwicklung leisten. 2016 brachten die EDFI zusammen nicht weniger als 764 Neuprojekte auf den Weg.

Ein neues Rekordjahr Die europä­ischen Entwicklungs­finanzierer konnten ihre Finanzierungs­zusagen 2016 neuer­lich steigern. Zehn der 15 Banken investier­ten mehr als 100 Mio. Euro.


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Michael Wancata, Vorstand der OeEB

Ein Drittel der EDFI-Gelder fließt in den Energie- und Infrastruktur­sektor und hier auch öfters in größere Projekte – sie haben eine höhere Entwicklungs­wirkung und sind aus Bankensicht zudem profitabler, weil mit relativ weniger Aufwand zu managen. Doch wie kommen Entwicklungs­banken an neue Projekte? Wer hat sie identifiziert und entwickelt? Diese Fragen werden immer wieder gestellt, sagt Michael Wancata, Vorstand der Oester­reichischen Entwicklungs­bank OeEB, was er verstehen kann: „Ja, wir sitzen hier in Wien – und machen Projekte in Entwicklungsländern!“ Das Projektvolumen der OeEB überschritt im Vorjahr erstmals die Milliarden­grenze, erneuerbare Energie- und Energieeffizienz-Projekte machen knapp 40 Prozent des Portfolios aus.

Fertigprodukte Für die Projektakquise brauche man ein weitreichendes Beziehungsgeflecht, sagt Wancata, und vor allem Kontakte zu den multilateralen Entwicklungs­banken – etwa der International Finance Corporation IFC, der Europäischen Bank für Entwicklung und Wiederaufbau EBRD oder der Asiatischen Entwicklungsbank ADB. Dass auch einige EDFI durch ihre Vor-Ort-Präsenz in Entwicklungs­ländern guten Zugang zu Projekten haben, steht außer Frage. Zwar sind die lokalen Netzwerke der EDFI kleiner als die der multilateralen Entwicklungsfinanzierer, die deutsche DEG und die französische Proparco bringen es aber doch auf 13 und 12 Länderbüros in drei Kontinenten, die dänische IFU ist mit neun Niederlassungen auf vier Kontinenten vertreten, die norwegische Norfund hat Standorte in drei Ländern Afrikas und in Thailand. Die britische CDC ist immerhin in Indien und Swedfund in Kenia vor Ort.

Die OeEB hat selbst keine Auslandsstandorte. Sie hat sich in der Vergangenheit öfters an Finanzierungen anderer Entwicklungs­banken beteiligt (siehe unten), aber auch eigenständig in Infrastruktur­projekte investiert. Entwicklungsbanken steigen üblicherweise erst dann in Finanzierungen ein, sagt Wancata, wenn das Vorhaben bereits als Projekt strukturiert ist und die entsprechenden Unterlagen auf dem Tisch liegen. „Das Risiko der Projektvorbereitung wollen Banken üblicherweise nicht übernehmen“, so der OeEB-Vorstand. „Der Projektentwickler steht vor der Frage, wie er aus einer Idee – etwa dem Bau eines Wasserkraftwerks – ein Projekt macht, das dann auch umgesetzt wird. Er muss sich dabei darum kümmern, den richtigen Projektstandort zu finden, er braucht technische Expertise und Geld, um die Vorarbeiten zu finanzieren, er muss Umweltdaten erheben, Machbarkeits­studien erstellen, Lizenzen und Genehmigungen einholen, er muss sich um das Grundstück und die Zufahrtsstraßen zum Kraftwerk kümmern.“ Insbesondere bei Infrastrukturvorhaben ist mit längeren Vorlaufzeiten zu rechnen, was das Risiko erhöht. Die deutsche DEG hält es daher so, dass sie üblicherweise in Infrastruktur­vorhaben einsteigt, „die weitgehend entwickelt sind und zügig umgesetzt werden können.“

Spezialisierte Fonds Greenfield-Projekte in weniger entwickelten Regionen gehen zum Teil auf spezialisierte Fonds zurück, die ihre Kapitalausstattung auch wieder von Geberstaaten oder Entwicklungsbanken beziehen. Der Africa Renewable Energy Fund beispielsweise ist mit der Afrikanischen Entwicklungsbank als Hauptsponsor ein 200 Mio. Dollar schwerer Fonds, der in Subsahara-Afrika kleine und mittlere erneuerbare Energie-Projekte im Frühstadium unterstützt. Auch der annähernd gleich große Frontier Energy Fund ist mit weitgehender Entwicklungsbank­finanzierung in Subsahara-Afrika tätig, sein Fokus sind mittelgroße Greenfield-Projekte, die er bis zum Bau führt. An beiden Fonds ist übrigens auch die OeEB beteiligt, sie unterstützt mit insgesamt 25 Mio. Dollar vier Fonds, die Energieprojekte im Frühstadium fördern. Einer der größten Projekt­strukturierer ist die Private Infrastructure Development Group PIDG, deren Gründung im Jahr 2002 von der Republik Österreich mitunterstützt wurde. PIDG finanziert Infrastruktur­vorhaben in Afrika und Asien über alle Projektstadien hinweg. Die drei eigenständigen Spezialabteilungen DevCo, InfraCo Africa und InfraCo Asia sind ausschließlich damit beschäftigt, Projekte zur Investitionsreife zu führen. Bis dato konnte die Gruppe 154 Projekte abschließen und dafür Kapital in Höhe von 31 Mrd. Dollar mobilisieren – knapp die Hälfte wurde von Entwicklungs­banken gedeckt.


Laos ILF begutachtet mit lokalen Partnern einen möglichen Standort für ein zukünftiges Wasserkraftwerk.

Eigene Gesellschaft Die OeEB überraschte vor kurzem mit der Nachricht, im Bereich der Projektentwicklung nun auch selbst tätig werden zu wollen – „motiviert aus der Zusammenarbeit mit Projektentwicklern und aus der Überlegung heraus, dass man sich gut ergänzen könnte“, wie Vorstand Wancata erklärt: „Wir als Bank können unser kaufmännisches Know-how einbringen, das Projekt bankfähig machen und uns anschließend an der Investorensuche beteiligen.“

Die Gründung der Projektentwicklungsgesellschaft Renewable Energy Development Corporation – kurz Rendcor – durch die OeEB und das international erfahrene Ingenieursbüro ILF Consulting Engineers aus Innsbruck ging im September 2017 über die Bühne. Die Partner sind gleichermaßen beteiligt, wobei der OeEB-Anteil in Höhe von fünf Mio. Euro aus Mitteln des Bundesministeriums für Finanzen stammt. „Wir sind ein strategischer Investor“, erläutert Wancata das Engagement der Bank, „und wollen nicht nur machen lassen, sondern die tägliche Arbeit mittragen.“

Die Ziele des Joint Venture sind klar gesteckt: Rendcor soll in Laos, wo ILF aufgrund seiner bisherigen Projekttätigkeit mit einem Büro bereits vor Ort ist, innerhalb der nächsten fünf Jahre rund sechs Wasserkraftprojekte aufstellen, die mit einer Leistung von 165 Megawatt ein Investitionsvolumen von knapp 400 Mio. Euro erreichen können. Damit werde „ein bedeutender Investitionsschub für eines der ärmsten Entwicklungsländer“ ausgelöst, betont OeEB-Vorstand Wancata.

Vorbilder Die Idee einer eigenen Projektentwicklungs­gesellschaft ist nicht ganz neu. Vereinzelt weisen auch andere EDFI Erfahrungen auf. Mit beteiligungsähnlichen Darlehen verhalf die deutsche DEG 2011 nicht nur der Windkrafttechnologie, sondern auch dem deutschen Windparkentwickler Sowitec, heute einer der größten Player auf seinem Gebiet, zum Durchbruch in Lateinamerika. Ein im gleichen Jahr gegründetes Joint Venture zur Windparkerrichtung in Thailand blieb hingegen wegen des Ausbruchs politischer Konflikte hinter seinem Ziel zurück.

Sehr erfolgreich wiederum ist bereits seit 2002 SN Power, ein Joint Venture des Energiekonzerns Statkraft und der norwegischen Entwicklungsbank Norfund. SN Power entwickelt, errichtet und betreibt Wasserkraftwerke in Südostasien, Afrika und Zentralamerika. Es ist bemerkenswert, dass Norfund die Beteiligungen, die es durch diese Aktivitäten im Lauf der Zeit erworben hat, erst kürzlich auf Projekte in Subsahara-Afrika einschränkte, um die ärmsten Länder als Zielgruppe zu erreichen. „Ein Joint Venture dieser Art würden wir langfristig auch gerne machen“, sagt Wancata. Er will sich zunächst aber einmal auf Laos konzentrieren.

Erwartungen Rendcor biete der Oesterreichischen Entwicklungsbank die Chance, Projekte von Anfang an zu entwickeln und nicht erst einzusteigen, wenn nur noch der letzte Baustein – die Finanzierung – fehlt, sagt Wancata. Und auch aus entwicklungspolitischer Sicht sei Rendcor interessant: Es komme durch die Zusammenarbeit zwischen ILF und laotischen Unternehmen zu einem Know-how-Transfer, Rendcor bringe zudem europäische Standards mit ins Land. Was die anschließende Investorensuche anlangt, ist Wancata ebenfalls zuversichtlich: „Wir wissen, dass unsere Kollegen in den bilateralen Entwicklungsbanken großes Interesse haben, mit Eigenkapital in solche Projekte einzusteigen.“ Wancata rechnet damit, dass Rendcor das in die Projektvorbereitung gesteckte Geld mit angemessenem Gewinn zurückverdienen wird. Und dann könnte das Unternehmen auch in die Breite wachsen: etwa mit Windkraft oder einem Einstieg in Vietnam oder auf den Philippinen, sagt Wancata. Der Fokus bleibt jedenfalls Südostasien.


Vielfältige Projekte Photovoltaik in Zentralamerika, Mobilfunk in Südostasien, Wasserkraft in Südamerika

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OEEB
WELTWEIT INVESTIERT

Die Oesterreichische Entwicklungbank ist an zahlreichen Projekten im Bereich Energie und Infrastruktur beteiligt.

Honduras mit Weltbank Mit einem 25 Mio. Dollar Kredit hat die OeEB die Errichtung des Solarkraftwerks Valle Solar an der Pazifikküste von Honduras mitfinanziert. Das 120 Mio. Dollar-Projekt wurde von der Weltbanktochter IFC strukturiert.

Myanmar mit FMO Mit 15 Mio. Dollar beteiligte sich die OeEB an einer von der niederländischen FMO arrangierten Finanzierung in Höhe von insgesamt 160 Mio. Dollar an Irrawaddy Green Towers Ltd. zum Bau und Betrieb von Mobilfunkmasten.

Peru mit DEG Die OeEB unterzeichnete eine Risikobeteiligung in Höhe von 10 Mio. Dollar an einer langfristigen Kreditlinie von insgesamt 88 Mio. Dollar der deutschen DEG für die Errichtung von zwei Kleinwasserkraftwerken in Peru.


© corporAID Magazin Nr. 72
Redaktion: Ursula Weber
Fotos: OeEB, Irrawaddy, DEG, ILF, Easttravel

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