Entwicklung braucht Energie
07/2010 - Ohne Energie keine Entwicklung. Wie eine zukunftsfähige Energieversorgung in Entwicklungsregionen unter Einbeziehung von europäischer Technologie und Wirtschaft funktionieren kann, diskutierten Experten bei einer IBWE-Konferenz im Juni in Wien.
Im Dialog Wirtschaft und Entwicklung analysieren heimische Experten Realiät und Potenziale für österreichische Beteiligungen im internationalen Energiesektor

Weltweit haben 1,6 Millarden Menschen in Schwellen- und Entwicklungsländern keinen Zugang zu Energie. 2,4 Millarden Menschen verwenden nach wie vor traditionelle Biomasse zum Kochen und Heizen. Die Versorgung dieser Regionen mit moderner Energie ist Voraussetzung für wirtschaftliches Wachstum und Armutsbekämpfung – und damit für die Erreichung der Millennium Development Goals, die unter anderem die Reduktion der Armut um 50 Prozent bis 2015 anvisieren.
Der Energiebedarf in Schwellen- und Entwicklungsländern wird in den nächsten 20 Jahren rapide steigen: Experten rechnen mit einer Verdopplung weltweit. Diesem Bedarf stehen für Investoren oft ungünstige Rahmenbedingungen entgegen: Politische Instabilität und Infrastrukturmängel bergen häufig unkalkulierbare Risiken und Kosten. Die Konferenz „Entwicklung braucht Energie“ des Informationsbüro Wirtschaft und Entwicklung IBWE diskutierte, wie europäische Unternehmen gemeinsam mit der Entwicklungszusammenarbeit durch Know-how, Technologien und Kreativität der Energiearmut in Entwicklungs- und Schwellenländern Abhilfe leisten können – und dabei vom Geschäft auf einem neuen Markt profitieren.

Keynote-Speaker
Prady Iyyanki
GE Jenbacher
Hochkarätiges Plenum Damit nachhaltige Entwicklung – in sozialer, ökonomischer und ökologischer Hinsicht – in Schwellen- und Entwicklungsländern gewährleistet werden kann, sind integrierte Energielösungen benötigt. Die Steigerung von Energieeffizienz, vermehrte Verwendung erneuerbarer Energien sowie Nord-Süd- und Süd-Süd-Technologie-Transfers und Capacity Building seien dafür die Eckpfeiler, sagt Pradeep Monga, Direktor für Energie und Klimawandel der UNIDO. Die UNIDO kann dabei selbst auf erfolgreich abgewickelte Wasserkraftprojekte in Ruanda verweisen, die nun Motoren für die wirtschaftliche Entwicklung ihres Umfelds sind. Für Prady Iyyanki, CEO des Gasmotoren-Giganten GE Jenbacher liegt der Schlüssel zum Erfolg in der Berücksichtigung der Kultur vor Ort. Durch die Integration lokaler Bedürfnisse in Projektplanung und -implementierung entstünden „localised innovations“. Stefan Szyszkowitz, CEO der EVN Bulgaria, empfiehlt, bei Energieprojekten aktiv auf die unterschiedlichen, meist ungünstigeren Rahmenbedingungen in Schwellen- und Entwicklungsländern zu reagieren – sei es Infrastruktur, politische Stabilität, Einkommensverhältnisse oder eben Kultur. Unternehmensinterne Erfolgsfaktoren sieht er in klaren Prozessen und Verantwortungsbereichen sowie dem Zugang zum Know-how des gesamten Unternehmens.

Marketplace IBWE Plattform für Networking und Dialog
Dialog Wirtschaft und Entwicklung Im abschließenden Dialog analysierten österreichische Experten aus Wirtschaft und Entwicklungszusammenarbeit die Realität und zukünftige Potenziale für österreichische Beteiligungen im Energiesektor in Entwicklungsländern. „Das Engagement der österreichischen Wirtschaft ist besonders in Zeiten der Krise wichtig“, sagte Irene Janisch vom Wirtschaftsministerium, „es geht dabei um die Nutzung von Synergien von Wirtschaft und Entwicklung.“ Die Stärken der heimischen Unternehmen liegen in Wasserkraft, Solarthermie, Windkraft und Erneuerbare Energien – dort setze auch die Austrian Development Agency ADA Schwerpunkte, so Robert Zeiner: 2008 flossen 21 Mio. Euro der Projektmittel in den Bereich Energie, davon wiederum 45 Prozent nach Afrika südlich der Sahara. Reinhold Gruber, Außenministerium, sieht die Rolle der Entwicklungszusammenarbeit im Energiebereich in der Schaffung geeigneter Rahmenbedingungen für Investitionen. Unterstützung bietet die Oesterreichische Entwicklungsbank OeEB in Form von langfristiger Finanzierung für kommerzielle Projekte in Entwicklungsländern. Vorstand Andrea Hagmann betonte, dass insbesondere die Nachhaltigkeit der Projekte hinsichtlich Umwelt- und Sozialstandards genau geprüft werde. Auch die Oesterreichische Kontrollbank ist im Energiebereich aktiv: Wasserkraft mache rund zehn Prozent des Geschäfts aus, so Ferdinand Schipfer. Schwieriger sieht er Erneuerbare Energien für Entwicklungsländer, nicht zuletzt aufgrund der Kosten. Leander Treppel, Finanzministerium, und Michael Spalek, AWO, begrüßten Kooperationen zwischen Wirtschaft und Entwicklungszusammenarbeit, wünschten sich jedoch für die Zukunft eine gemeinsame Wirschaftsstrategie im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit.
© corporAID Magazin Nr. 28
Text: Sophie Langer-Hansel
Bilder: Mihai Mitrea
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