Strom für Arme
07/2010 - Muss die Investition in ländliche Elektrifizierung in Entwicklungsländern ein Fass ohne Boden sein? Tri Mumpuni und Mika Turpeinen sagen Nein. Die beiden Energie-Experten aus Indonesien und Äthiopien stellten ihre Lösungmodelle im Rahmen eines corporAID Multilogue im April 2010 in den Räumlichkeiten der Telekom Austria vor.
Selbstgebaute Miniwasserkraftwerke als Basis der Einkommensgenerierung in ruralen Gebieten Indonesiens


Applaus für die eindrucksvollen Präsentationen
Energie ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für wirtschaftliche Entwicklung und sozialen Fortschritt – überall auf der Welt. Damit sie auch in armen Entwicklungsländern verlässlich und leistbar zur Verfügung steht, braucht es wettbewerbsfähige Wertschöpfungsketten von der Erzeugung über die Verteilung bis zur Energiebereitstellung, was wiederum komplexe Rahmenbedingungen voraussetzt. Visionäre Menschen wie Tri Mumpuni oder Mika Turpeinen implementieren in Indonesien bzw. Äthiopien unterschiedliche Lösungsmodelle, die gemein haben, dass sie sich in das Energiesystem ihres Landes einfügen, replizierbar und vielfältig einsetzbar sind.

Tri Mumpuni
Licht für indonesische Dörfer Die Sozialunternehmerin Tri Mumpuni entwickelte ein Public-Private-Partnership-Modell für die Elektrizitätsversorgung des Inselstaates. Durch ihre Projekte bringt sie Strom aus Mikrowasserkraftwerken in die ländlichen Gebiete Indonesiens und organisiert die nötige Netzinfrastruktur. Besonders wichtig ist ihr dabei, dass die Bedürfnisse der Dorfbewohner berücksichtigt werden. Diese werden von Anfang an voll miteingebunden, um Missverständnisse und falsche Erwartungen zu vermeiden. Mit der Vorbereitung der Gemeinde steht und fällt der Erfolg des Projekts, erklärt die Idealistin, die bei ihren Kraftwerkslösungen auch bereits mit der Andritz Hydro zusammengearbeitet hat. „Es ist wichtig, im Detail festzustellen, wie die Stromgewinnung zur Einkommenssteigerung eingesetzt werden soll“, so Mumpuni, denn: „Der Weg von der Stromerzeugung bis zur Steckdose ist ein weiter. Erst wenn die Menschen den konkreten Nutzen realisieren, sind sie bereit sich umzustellen.“ Einnahmen aus dem Stromverkauf fließen in vorab vereinbarte Projekte des Gemeinwohls: Ausbildung, Gesundheit, Infrastruktur oder auch Mikrokredite. Manches Kleinstkraftwerk wurde bereits an das öffentliche Stromnetz angeschlossen – ein
Triumph für Mumpuni – und bringt so zusätzlichen Gewinn.

Mika Turpeinen
Energieversorgung für Äthiopien Mika Turpeinen stellte die Herausforderungen und Chancen Äthiopiens in der Energieversorgung dar: einerseits Stromexporteur, andererseits ein katastrophales Stromnetz; einerseits gewaltiges Potenzial bei Geothermie und Wasserkraft, andererseits deckt die Bevölkerung ihren Energiebedarf zu 93 Prozent mit Holz, was teuer ist und unter anderem Gesundheits- und Umweltprobleme mit sich bringt. Standardisierte Kraftwerke in einer vernünftigen Größe könnten, so der Finne, der Lösungsweg für Äthiopien sein.
Die Vortragenden
Tri Mumpuni Die Gründerin des People Centered Economic & Business Institute IBEKA entwickelte Public-Private-Partnership-Modelle für die Elektrizitätsversorgung ihrer Heimat Indonesien. Mumpunis Kernidee wurde von der UNESCAP übernommen. Sie zählte 2007 zu den hundert einflussreichsten Frauen Asiens.
Mika Turpeinen Der Finne gelangte als Organisationsentwickler von Asea Brown-Boveri ABB nach Äthiopien. Hier ist er heute selbstständiger Konsulent der finnischen Entwicklungsagentur Finnfund im Bereich erneuerbare Energie, Niedrigenergiehäuser und so genannten „smart-grid“-Modellen.
© corporAID Magazin Nr. 28
Text: Michaela Grill
Bilder: Mihai Mitrea, Flickr
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