Sozialunternehmer

Global vernetzt

10/2014 - In immer mehr Ländern bieten die Impact Hubs Raum für Ideen und gesellschaftlichen Fortschritt. Die Expansion in Schwellen- und Entwicklungsländer bringt neue Herausforderungen für das Geschäftsmodell, aber auch frischen Wind in die Programmvielfalt der Hubs.

Zum Thema:

Impact Hubs weltweit

Soziale Innovation und Nachhaltigkeit durch kollektives wirtschaftliches Handeln sind die Grundwerte der
Impact Hubs weltweit.

Von Bogotá bis Johannesburg, von San Francisco bis Kuala Lumpur – heute findet man in fast allen Ecken der Welt einen der insgesamt bald 60 Impact Hubs. Diese Hubs sind Treffpunkt und Arbeitsraum für Sozialunternehmer und Kreative, die mit ihren Business-Ideen auch einen gesellschaftlichen oder ökologischen Mehrwert bieten wollen. Seit 2005 der erste Impact Hub in London gestartet wurde, hat sich die Plattform zu einem globalen Netzwerk mit mehr als 9.000 Mitgliedern gemausert. Für diese sind die Impact Hubs Ideenplattform und Gründerzentrum zugleich – jeder, der einmal erfolgreich seine Idee vorgestellt hat, kann die Räumlichkeiten und das weltweite Netzwerk aller Hubs nutzen. Der Austausch wird hier ebenso angeboten wie die Gründerberatung und Vermittlung von finanzieller Starthilfe.


Hinnerk Hansen
leitet das Impact Hub-Netzwerk.

In Wien zuhause Alleine der Impact Hub in Wien hat mehr als 350 Mitglieder – darunter auch zunehmend bekannte österreichische Gesichter wie die Gründer der Sozialunternehmen Three Coins oder Soulbottles – und ist seit 2010 auch globales Headquarter des Netzwerks. Hier läuft unter Leitung von Geschäftsführer Hinnerk Hansen die Strategiearbeit des Netzwerks zusammen. In der frühen Expansionsphase musste sich dieses einigen organisatorischen Herausforderungen stellen. Nach einer Umstrukturierung 2011 sind die einzelnen Hubs Mitglieder der globalen Impact Hub Association, an die sie jährlich Umsatz-beteiligungen zahlen. In ihrer täglichen Arbeit sind sie aber weitgehend unabhängig. Nach der Gründung finanzieren sich die Impact Hubs durch Mitgliedsbeiträge, Raummieten und diverse Zusatzdienstleistungen wie etwa Beratungen zur Gründungs-finanzierung, Weiterbildungsangebote oder Consulting.

Im Kern sind sich die auf der ganzen Welt verstreuten Impact Hubs also sehr ähnlich – alle legen großen Wert auf die Gemeinschafts-philosophie. Ein Impact Hub soll stets ein offenes Umfeld und Treffpunkt für all jene sein, die gesellschaftlich und unternehmerisch etwas verändern wollen. Darüber hinaus sei die jeweilige lokale Ausgestaltung aber sehr unterschiedlich, so Hansen: „Abhängig vom jeweiligen demografischen und wirtschaftlichen Kontext wird man unterschiedliche lokale Profile finden. Der Impact Hub im brasilianischen São Paulo etwa hat einen starken Fokus auf Bildungsthemen und bietet sogar eigene Masterprogramme und Kurse. Im Impact Hub in Oakland, Kalifornien, hingegen geht es vorwiegend um soziale Gerechtigkeit und andere lokale Themen.“

Offene Räume
für Ideen findet man in jedem Impact Hub. Im Bild das rege Treiben in São Paulo.

Lokal global Seit den Anfängen vor knapp zehn Jahren hat sich das Impact Hub Netzwerk auch in Schwellen- und Entwicklungs-ländern etabliert. „2011 waren noch 80 Prozent der Impact Hubs in Europa – jetzt ist es nicht einmal mehr die Hälfte. Ein ausbalanciertes Wachstum bleibt daher auch künftig ein großes Ziel“, so Hansen. Eine der ersten Niederlassungen war jene in São Paulo, die bereits 2008 von Gründern der Hub-Bewegung aufgebaut wurde. „São Paulo ist einer der ältesten Impact Hubs und hat dank seines guten Gründerteams viel Aufmerksamkeit und lokale Partner gewonnen. Solche Vorreiter sind enorm wichtig, um Bewegung in eine Region zu bringen“, sagt Hansen. Heute gibt es in Lateinamerika bereits zehn Standorte.

Außer einem Vorreiter braucht es aber oft noch andere Faktoren, um das Konzept der Impact Hubs auch in Schwellenländern zu entfalten. „Die Erfahrung der vergangenen Jahre zeigt, dass das Konzept am Anfang meist sehr auf den physischen Raum und die Gemeinschaft fokussiert war“, sagt Hansen. Gerade in solchen Regionen brauche es den Zugang zu nationalen und internationalen Partnern und Geldgebern. So sei etwa der Impact Hub in Bogotá, Kolumbien, stark dadurch gepusht worden, dass viele potenzielle Investoren ihr Büro im selben Gebäude hatten.

Die Finanzierungsfrage ist aber nicht nur in Schwellenländern eine wichtige: „Hier gibt es jedoch kein einheitliches globales Muster, da es sehr von den lokalen Gegebenheiten und auch von den Gründern selbst abhängt“, so Hansen. Entsprechend unterschiedlich sei die Gründung der einzelnen Impact Hubs finanziert worden – von reinen Eigenkapitalfinanzierungen bis zum Mix aus Fremdkapital und öffentlichen Förderungen sei laut Hansen alles möglich.

Weltweit gibt es heute bereits 55 Impact Hubs – viele davon in neuen Märkten.

Auf nach Afrika In Zukunft soll die Impact Hub Bewegung noch globaler wachsen. Nicht nur deshalb richtet sich der Blick der Organisation zunehmend auch nach Afrika. Mit dem Africa Seed Programm will man gezielt talentierte Sozialunternehmer in der Region finden und dabei unterstützen, Impact Hubs in ihren Städten zu starten und damit Innovation in der gesamten Region anzukurbeln – und zwar fernab von jeglicher Philanthropie. Ein spezielles Programm brauche es dabei vor allem aufgrund der besonderen Rahmenbedingungen, so Hansen: „In Europa sind wir traditionell über unser dichtes Netzwerk gewachsen, indem bestehende Impact Hubs Unterstützung leisten. In Afrika haben wir ganz andere Größenordnungen, daher passt auch unser Wachstumsmodell in diesem Kontext nicht.“

Mit dem neuen Förderprogramm sollen nun fünf bis acht Gründerteams über einen Zeitraum von sechs Monaten intensiv durch erfahrene Mentoren, Experten und Partner betreut und mit Investoren verknüpft werden. Dabei gilt es auch, das Geschäfts-modell des Impact Hub an die lokalen Rahmenbedingungen anzupassen. „Es gibt natürlich ein Kernmodell, aber das lässt sich nicht eins zu eins kopieren. Von Wien nach München ist das durchaus möglich, aber in Afrika braucht es deutlich mehr Innovation“, sagt Hansen. Die ersten afrikanischen Impact Hubs abseits des bereits bestehenden Standorts in Johannesburg sollen Ende 2015 öffnen. Bald haben also vielleicht auch Sozialunternehmer in Nairobi oder Addis Abeba einen eigenen Raum für Austausch und Ideen.

© corporAID Magazin Nr. 54
Text: Melanie Pölzinger
Fotos: Impact Hub Global

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