von Ursula Weber
Der IT-Sektor im Kosovo wächst rasant. Eine sehr junge Bevölkerung und der Ausbildungsfokus auf Informatik tragen dazu bei. „Der Output an Software- und IT-Fachkräften ist im Kosovo proportional weit höher als etwa in Österreich oder Deutschland“, sagt Ronald Bieber, der Generalsekretär der Österreichischen Computer Gesellschaft (OCG). „Damit ist das Land eine wichtige Quelle zur Linderung des europäischen Fachkräftemangels und ebenso eine attraktive Outsourcing-Destination.“
Bieber kennt den IT- und Informatik-Sektor im Kosovo gut. Die bereits vor 50 Jahren in Wien gegründete OCG wirkte 2022 an der Gründung der kosovarischen Informatik Gesellschaft SHPIK in Pristina mit. Ziel war es, den Austausch innerhalb des IKT-Sektors sowie auf institutioneller Ebene zu stärken. Unterstützt wurde das Projekt von der Austrian Development Agency (ADA). Bei der Abschlussveranstaltung zur Gründung der SHPIK im Jahr 2024 in Wien kam zur Sprache, dass speziell im Bereich Datensicherung und Datenschutz ein weiterer Wissenstransfer sinnvoll wäre. Die ADA sagte dafür nochmals eine Kofinanzierung bis 2028 über ihr Instrument Wirtschaftspartnerschaften zu (siehe Info-Box).
Datensicherheit als Engpass
Kosovo gibt es bislang keine Stelle, die eine ISO 27001-Zertifizierung anbietet“, schildert Bieber den Bedarf, den das aktuelle Projekt decken soll. Diese weltweit anerkannte Managementzertifizierung gilt als Nachweis, dass Daten vertraulich und integer behandelt werden, und bestätigt, dass Risiken systematisch erkannt und durch Sicherheitsmaßnahmen minimiert werden. Das Zertifikat steigert das Kundenvertrauen und gilt als Wettbewerbsvorteil. Die OCG zählt in Österreich seit 2013 zu den akkreditierten Zertifizierungsstellen. Kosovarische Unternehmen in kritischen Bereichen wie Energieversorgung oder Gesundheitswesen müssen bislang auf ausländische Experten zurückgreifen, wenn sie eine Zertifizierung nach diesem Datensicherheitsstandard anstreben.
Gleichzeitig wächst der Druck auf kosovarische Unternehmen, die Dienstleistungen für europäische Auftraggeber erbringen, stärker in Datensicherheit zu investieren. Hintergrund sind strengere EU-Gesetzesvorgaben. In Österreich etwa tritt am 1. Oktober das Netz- und Informationssystemsicherheitsgesetz 2026 in Kraft. Davon dürften auch rund 3000 kosovarische Unternehmen betroffen sein. Und auch deren Zulieferer werden nachrüsten müssen. „Wir erwarten demnächst eine erhöhte Nachfrage nach ISO-27001-Zertifizierungen“, so Bieber.
Auditoren vor Ort
In Kooperation mit SHPIK wird die OCG im Rahmen des Förderprojekts kosovarische Auditoren ausbilden, die Unternehmen auf dem Weg zur ISO-27001 begleiten können. „Kosovarische Firmen werden dann in der
SHPIK einen kompetenten lokalen Ansprechpartner vorfinden“, freut sich Bieber. Die Zertifizierung selbst soll weiterhin über die OCG in Österreich erfolgen. Die mehrtägigen Auditorenlehrgänge sind in Vorbereitung. Auch ein Train-the-Trainer-Kurs ist vorgesehen, sodass die Ausbildung künftig im Kosovo selbst stattfinden kann.
Zusätzlich erhalten Unternehmen Zugang zu einer KI-gestützten Software namens ISOCertFlow, die den gesamten Vorbereitungsprozess für die Zertifizierung abbildet und als digitale Checkliste dient. „Mit diesem längst fälligen Tool lassen sich Abläufe vereinfachen, Zeit sparen und Kosten weiter senken“, sagt Bieber. Die Software wird vom Wiener Unternehmen CS nine entwickelt. Bieber sieht hierin einen strategischen Aspekt: „Wir haben bewusst ein österreichisches Unternehmen gewählt, um unsere digitale Souveränität zu sichern – ein Thema, das in Europa zunehmend an Bedeutung gewinnt.“
Die Initiatoren
Die Computergesellschaft
Die Österreichische Computer Gesellschaft (OCG) wurde vor 50 Jahren als gemeinnütziger Verein in Wien gegründet, um Informations- und Kommunikationstechnologien unter Bedacht auf ihre Wechselwirkung mit Mensch und Gesellschaft bundesweit zu fördern. Sie stärkt den Austausch zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Bildung, entwickelt und betreibt Weiterbildungs- und Zertifizierungsprogramme (beispielsweise den Europäischen Computerführerschein oder die ISO‑27001-Zertifizierung) und fördert digitale Kompetenz insbesondere von Jugendlichen, etwa durch Wettbewerbe. Die österreichische Softwarefirma CS nine GmbH ist ein zentraler Umsetzungspartner beim Projekt im Kosovo. Das Wiener KMU hat für seine Produkte, die es öffentlichen und privaten Playern über diverse Lizenzmodelle bereitstellt, bereits Preise erhalten. Wichtigster Markt ist Deutschland.
Information
Im Rahmen von International Partnerships Austria können Wirtschaftspartnerschaften in Entwicklungsländern mit einem Zuschuss gefördert werden.
KONTAKT:
Austrian Development Agency
Zelinkagasse 2, 1010 Wien
Tel.: +43 (0)1 90399-2577
wirtschaft@ada.gv.at
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Foto: Cs nine



