ADA-Wirtschaftspartnerschaft

Nahe am Bauern

06/2018 - Die Schweizer Firma Gebana liefert Bioware aus Entwicklungsländern nach Europa. Für die Stärkung der Produktionsstrukturen in Burkina Faso gewann Gebana die Austrian Development Agency ADA als Partner. Eine drohende Pleite der burkinischen Tochter überwand Gebana dank der Unterstützung von Handelspartnern und treuen Käufern.





Mangos wachsen in Burkina Faso wie bei uns Äpfel, doch einmal geerntet, müssen sie rasch verzehrt oder verarbeitet werden.

Wer Bioprodukte „weltweit ab Hof“ – so lautet der Claim – kaufen möchte, ist bei der Schweizer Handelsfirma Gebana an der richtigen Adresse. Das KMU hat mit seinem heute rund 40-köpfigen Team in Zürich in den vergangenen 20 Jahren ein Netzwerk mit ausgewählten Partnern, die in Entwicklungsländern Früchte, Nüsse, Öle und vieles mehr produzieren, aufgebaut. Dazu wurden eigene Standorte in Brasilien, Burkina Faso, Benin und Togo eröffnet, wo die Ernten von Kleinbauern, primär Sojabohnen, Datteln, Mangos und Cashews, verarbeitet werden.

Die Ware wird ab Hof an Großkunden und über Verteilzentren an Kleinabnehmer versandt, Hauptmärkte sind Deutschland und die Schweiz. „Damit sparen wir Kosten und kennen die ganze Lieferkette“, erklärt Marketingleiterin Sandra Dütschler, „denn unser Ziel ist der Aufbau nachhaltiger Wertschöpfungsketten, vom Bauern bis zum Abnehmer. Und dazu machen wir den Export, den Import, den Verkauf, den Vertrieb und die Verarbeitung vor Ort.“ Die Bestellungen erfolgen online. Über die „Plattform Marktzugang“ wird zudem der Verkauf neuer Produkte getestet.

Gebana geht auf die „Arbeitsgemeinschaft Gerechte Bananen“ (Ge-bana) zurück, die Schweizer Frauen in den 1970er Jahren gründeten, um bessere Arbeitsbedingungen für Bananenbauern zu erreichen. Auch als profitorientiertes Unternehmen, das Gebana heute ist, hat es Grundsätze wie die angemessene Bezahlung der Produzenten und langfristige Abnahmeverträge beibehalten.


Investitionen Im Rahmen der ADA-Wirtschaftspartnerschaft investierte Gebana in neue Energieträger, in die Verbesserung der Mango-Trockner und in Weiterbildung.

ADA-Kooperation Für den Auf- und Ausbau der Produktion in Entwicklungsländern kooperiert Gebana regelmäßig mit staatlichen und privaten Geberorganisationen. „Durch solche Partnerschaften können wir in nachhaltige Wertschöpfungsketten investieren“, sagt Stefan Lanz, bei Gebana für Entwicklungsprojekte zuständig. 2015 wandte sich der Entwicklungsexperte erstmals auch an die Austrian Development Agency ADA. Gebana war damals seit zehn Jahren in Burkina Faso tätig und produzierte in Bobo-Dioulassou getrocknete Mangoschnitze und essfertige Cashewnüsse. Hier setzten 3.200 Bauern ihre Produkte ab, zusätzlich fanden 400 Arbeitskräfte eine saisonale Anstellung.

Der Standort hatte Boomjahre erlebt, nun war aber eine Weiterentwicklung nötig. Lanz legte ein umfangreiches Maßnahmenpaket vor und erhielt eine Förderzusage der ADA im Rahmen einer Wirtschaftspartnerschaft. „Gebana hat in einem der ärmsten Länder der Welt für eine ganze Region einen Marktzugang geschaffen und fördert die Wertschöpfung im Land. Um diesen Erfolg zu sichern und zu stärken, unterstützen wir gerne den Ausbau der Produktionsstrukturen“, begründet Gunter Schall, der Leiter des Referats Wirtschaft und Entwicklung der ADA, die Entscheidung.

Die Investitionen flossen in die Aufrüstung der Mango-Trockner, die bei Gebana selbst und bei rund 20 Partnerbetrieben – Kooperativen und KMU – stehen. Es wurden Ventilatoren installiert und erste Trocknungsöfen von Gas auf die Verbrennung von Biomasse, die bei der Cashewverarbeitung anfällt, umgestellt. Dazu erhielten rund dreißig Mitarbeiter Schulungen zu Technologienutzung, Qualitätskontrolle und Kalkulation. Bei der Erweiterung des Produktsortiments, dem dritten Ziel, ging es darum, die Nebenprodukte, die bei der Mango- und Cashewverarbeitung anfallen, zu nutzen, um so einerseits den Umsatz zu erhöhen und andererseits die Beschäftigung der Mitarbeiter über die Saison hinaus zu verlängern. Eine Studie gab Empfehlungen für neue Produkte, ihre Umsetzung steht noch aus.

Gewinneinbruch Die Wirtschaftspartnerschaft wurde Anfang 2017 abgeschlossen, Experten der ADA überzeugten sich von den Fortschritten vor Ort. Allerdings brachten unerwartete Umstände den Betrieb noch im selben Jahr in Nöte. Eine Mango-Missernte lieferte kaum die Hälfte des üblichen Ertrags. Dazu kauften asiatische Einkäufer den Großteil der Cashew-Ernte auf und beförderten sie unverarbeitet nach Asien –„ein ökologisch unsinniges Vorgehen, das in Afrika Arbeitsplätze vernichtet,“ sagt dazu Stefan Lanz. Am Gebana-Standort in Bobo-Dioulassou führte der zweifache Geschäftsentgang nach den Investitionen in die Wirtschaftspartnerschaft jedenfalls zu einer leeren Kassa bei hohen Fixkosten.

Das Unternehmen musste reagieren, um eine Insolvenz der burkinischen Tochtergesellschaft abzuwenden, und legte im Oktober 2017 einen Sanierungsplan vor. Die Gläubiger wurden ersucht, ihre Darlehen in Anteile zu verwandeln, die Abnehmer wurden gebeten, dem Standort in Westafrika durch Vorbestellungen auf fünf Jahre eine zweite Chance zu geben. Mehr als 2.800 Einzelpersonen und einige Handelskunden folgten dem Aufruf und brachten die erforderlichen 650.000 Euro auf.

Im März 2018 erfolgte der Neustart: Gebana Burkina Faso hatte seine Bilanz saniert, Investoren gewonnen und seine Lehren gezogen. Zukünftig will man mehr in die Beziehung zu den Bauern investieren, Großkunden in die Produktion einbinden, die Margen erhöhen und die Verwertung vor allem der Cashew-Nüsse verbessern.


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DIE UNTERNEHMEN


Burkina Faso (v.l.n.r.) Gebana-Entwicklungsexperte Stefan Lanz, zwei Geschäftspartner und Gebana Burkina Faso Geschäftsführerin Linda Dörig

Tropische Früchte
Die Gebana AG wurde 1998 als Handelsfirma in der Schweiz gegründet, um Südfrüchten einen nachhaltigen Marktzugang nach Europa zu eröffnen. Heute führt Gebana neben dem Handel die Geschäftsbereiche Produktion, Direktversand und Entwicklungsprojekte unter einem Dach. Alle Produkte sind Fairtrade- und biozertifiziert. Gebana beschäftigt in der Schweiz 40, an den Standorten in Brasilien, Burkina Faso, Togo und Benin weitere 600 Mitarbeiter. Der Umsatz lag zuletzt bei knapp 10 Mio. Euro. Vorstandsvorsitzender ist Adrian Wiedmer.

© corporAID Magazin Nr. 76
Text: Ursula Weber
Fotos: Gebana

 

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