Interview

Recycling stets auf der Tagesordnung

02/2018 - Die Reduktion von Plastikmüll ist längst auch Thema für heimische Kunststoffhersteller wie die oberösterreichische Greiner Gruppe.


Stefan Grafenhorst ist Nachhaltigkeits-Verantwortlicher bei Greiner.

corporAID: Wie kann man der globalen Herausforderung Plastikmüll begegnen?

Grafenhorst: Der Schlüssel im Kampf gegen die Verschmutzung der Meere ist die Entsorgung des weltweiten Plastikmülls. Eine zentrale Rolle werden dabei die Fortschritte in Asien spielen. Forscher der Universität Kalifornien kamen kürzlich zum Ergebnis, dass knapp 80 Prozent des Plastikmülls in den Meeren unter anderem aus China, den Philippinen, Indonesien und Vietnam kommt. Funktionierende Abfallsysteme in Entwicklungs- und Schwellenländern auf- und auszubauen, muss daher das Ziel sein. Aber auch in Europa werden leider noch immer nicht alle Abfälle korrekt entsorgt. Die Europäische Kommission und die EU-Mitgliedsstaaten haben dies erkannt und reagieren, die kürzlich von der Kommission vorgelegte Plastikstrategie ist dabei nur eine von vielen Maßnahmen. Die Politik wird die Probleme aber nicht allein lösen können. Auch wir als Hersteller sind gefordert. Wir bei Greiner sprechen heute viel intensiver mit Kunden über den Einsatz alternativer Materialien. Auch die Zusammenarbeit mit der Abfallwirtschaft haben wir in den vergangenen Jahren deutlich verstärkt. Ziel ist es, bereits bei der Produktentwicklung das spätere Recycling mitzudenken.

Geht die Plastikstrategie der EU-Kommission in die richtige Richtung?

Grafenhorst: Die Plastikstrategie ist zu begrüßen. Ein wichtiger Baustein, der darin genannt wird, ist der Ausbau von Recyclingkapazitäten für Plastik. Wir müssen bei Kunststoffen dahin kommen, wo Glas und Papier heute bereits sind: Beides wird systematisch gesammelt und recycelt. Wir unterstützen auch das ambitionierte Ziel, bis 2030 nur noch wiederverwendbare oder recyclingfähige Verpackungen auf dem Markt zu haben. Bei uns im Haus gibt es keine Besprechung mehr zum Thema Nachhaltigkeit, ohne dass Recycling auf der Tagesordnung steht. Bei aller Bedeutung von verbesserter Sammlung und Recycling von Plastik sollten wir uns zugleich aber auch mit der Frage beschäftigen, wie wir als Gesellschaft Plastikmüll reduzieren können. So sind Plastiktüten etwa sicher praktisch, aber nicht immer nötig.

Welche Bedeutung messen Sie Initiativen wie der Plastic Bank im Kampf gegen Umweltverschmutzung durch Plastik bei?

Grafenhorst: Grundsätzlich sind alle Initiativen zu begrüßen, die Umwelt und Klima schützen wollen. Wir sollten uns aber von der Idee verabschieden, dass globale Probleme von Einzelnen gelöst werden können. Es bedarf Anstrengungen auf unterschiedlichen Ebenen und ganz klar von allen Beteiligten. Plastic Bank schafft einen neuen spannenden Ansatz: Plastik soll zum Wertstoff werden! Wir sind mit Plastic Bank in engem Austausch und schauen gemeinsam mit Partnern, wo eine Zusammenarbeit möglich und sinnvoll ist. Rein bilaterale Partnerschaften sind hier aus unserer Sicht nicht mehr zielführend – wir müssen uns mit Plastic Bank, unseren Kunden und auch Recyclingunternehmen an einen Tisch setzen und das Konzept einer Kreislaufwirtschaft mit Leben füllen.

Welche Hürden bestehen im Bereich Wiederverwertung von Altplastik heute?

Grafenhorst: Die Idee, aus einem alten einen neuen Joghurtbecher zu produzieren, klingt verlockend. Der Einsatz von Recyclingplastik ist jedoch leichter gesagt als getan – vor allem bei Lebensmittelverpackungen, an die hohe regulatorische Anforderungen gestellt werden. Was Produktsicherheit und -qualität angeht, gibt es bei Recyclingplastik noch einige Hürden zu meistern. Einfacher sieht es beim Einsatz von Recyclingmaterial in Verpackungen für Shampoo oder Waschmittel aus. Hier hat sich in den vergangenen Jahren einiges getan, und immer mehr Konsumgüterhersteller ergreifen Initiativen, um den Anteil von Recyclingmaterial zu erhöhen.

Vielen Dank für das Gespräch.

© corproAID Magazin Nr. 74
Das Gespräch führte Ursula Weber.
Foto: Greiner Gruppe

 

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