ADA-Wirtschaftspartnerschaft

Ein starker Finanzsektor für Moldau

02/2018 - Um den Engpass an qualifizierten Arbeitskräften im moldauischen Banken- und Versicherungswesen zu überwinden, setzt die Grazer Wechselseitige auf eine Allianz mit starken lokalen Partnern und der Austrian Development Agency ADA.





Train the Trainer Die ersten Trainerausbildungen im Rahmen des dreijährigen Projekts haben bereits stattgefunden.

In der Republik Moldau gibt es wohl vertrauenswürdigere Branchen als den Finanzsektor. Seit bei einem Bankenskandal 2014 rund 1,3 Mrd. Euro – das entspricht 15 Prozent des BIP – aus den Kassen dreier großer Geschäftsbanken auf Offshore-Konten im Ausland verschwanden und viele Kleinanleger den Zugang zu ihren Ersparnissen verloren, ist die moldauische Finanzwirtschaft von Instabilität und Unsicherheit geprägt. Einige österreichische Unternehmen haben sich in der Vergangenheit aber nicht vom herausfordernden Geschäftsumfeld abschrecken lassen und sind trotz verbreiteter Korruption und Intransparenz erfolgreich in dem armen Kleinstaat im Osten Europas tätig.

Mehr Praxis in die Weiterbildung Zu den Investoren im Finanzsektor gehört die Grazer Wechselseitige Versicherung, die seit 14 Jahren am moldauischen Versicherungsmarkt aktiv und heute der einzige Anbieter von Lebensversicherungen im Land ist. „Wir sehen in Moldau großes Wachstumspotenzial für Lebens- und Sachversicherungen nach westlichen Standards. Zwar sind KFZ- und Haftpflichtversicherungen bei Privatpersonen schon verbreitet, aber gerade im betrieblichen Bereich sind Versicherungen noch unüblich“, weiß Paul Swoboda, Aufsichtsratsmitglied der moldauischen Tochtergesellschaft GRAWE Carat. Trotz der Zukunftschancen steht die Versicherung vor den gleichen Problemen wie viele andere lokale Branchen auch: Durch die nach wie vor hohe Abwanderung sowie eine veraltete und praxisferne Ausbildung sind Fachkräfte Mangelware.

Der moldauische Staat ist sich dieser Problematik bewusst: Die Regierung möchte als Teil ihrer aktuellen Bildungsreform schrittweise die duale Berufsbildung einführen und unter anderem insgesamt elf Center of Excellence für praxisorientierte Aus- und Weiterbildung in Bereichen wie Transport, Bau, Informatik und Finanzen etablieren. Die moldauische Regierung suchte dazu schon in der Vergangenheit die Kooperation mit internationalen Investoren. So wurde von einem Projektkonsortium rund um den österreichischen Baukonzern Strabag und das BFI Burgenland ein Berufsbildungszentrum für Bauwesen in der Hauptstadt Chisinau aufgebaut. Mit an Bord war der moldauische Anbieter von Aus- und Weiterbildung Callidus. „Diese Initiative lieferte so gute Ergebnisse, dass das Bildungsministerium uns bezüglich eines ähnlichen Projekts im Finanzsektor ansprach“, erzählt die Callidus-Projektmanagerin Viorica Corlat.

Mit der Grazer Wechselseitigen wurde ein Partner gefunden, der an einer Kompetenzsteigerung im moldauischen Banken- und Versicherungsmarkt großes Interesse hat. „Insbesondere im qualifizierten Verkauf und der Administration ist es schwierig, gut ausgebildete Mitarbeiter zu finden. Diese brauchen wir aber dringend, wenn wir den Versicherungsmarkt weiter ausbauen und unsere Produktpalette erweitern wollen“, sagt Swoboda. Vergangenes Jahr wurde schließlich das Projekt FINPractice gestartet: Bis Mitte 2019 soll ein praxisorientiertes Weiterbildungszentrum für Fachkräfte aus dem Finanzsektor geschaffen werden, das nach Abschluss der Pilotphase als eigene Abteilung in das Center of Excellence für Finanzen integriert wird.

Mit vereinten Kräften Damals wie heute mit an Bord ist die Austrian Development Agency ADA als Fördergeber im Rahmen einer Wirtschaftspartnerschaft. „Das Projekt FINPractice stärkt langfristig lokale Strukturen, um den Bedarf an höher qualifizierten Arbeitskräften im Finanzsektor zu decken. In einer ersten Phase werden dadurch mindestens 35 Arbeitsplätze in Unternehmen geschaffen und damit ein wichtiger Beitrag für die wirtschaftliche Stabilisierung und Entwicklung von Moldau geleistet“, begründet ADA-Projektmanagerin Simone Ungersböck die Förderzusage. Mitbeteiligt ist zudem die österreichische Bildungsberatung ipcenter.at, die das internationale Projektmanagement übernimmt.


Mit vereinten Kräften Unterzeichnung der Partnerschaftserklärung durch P. Hronovsky, GRAWE, C. Freilinger, österreichische Botschafterin in der Republik Moldau, I. Șarov, Staatssekretär für Bildung, Kultur und Forschung, G. Palade, Direktor des Center of Excellence für Wirtschaft und Finanzen, C. Harea, Vize-Gouverneurin der Nationalbank, A. Karner, ADA, und N. Dosca, Vize-Präsidentin der Finanzmarktaufsicht (v.l.n.r.)

Ein wichtiger erster Meilenstein war im November 2017 die Unterzeichnung einer Partnerschaftserklärung zwischen den Projektpartnern rund um die Grazer Wechselseitige und dem moldauischen Bildungsministerium, der Finanzmarktaufsicht und der Nationalbank. „Eine solche Partnerschaft war schon lange gewünscht und ist essenziell sowohl für die Verankerung des Weiterbildungszentrums in den lokalen Ausbildungsstrukturen als auch für die Orientierung am tatsächlichen Bedarf der Branche“, sagt Corlat.

Callidus betreut unter anderem die Ausbildung von 15 Trainern – etwa Berufsschullehrer oder Fachleute aus der Wirtschaft – sowie von 15 Mentoren, die als Ansprechpersonen in den teilnehmenden Unternehmen fungieren. „Im Anschluss werden rund 250 Personen in Pilotschulungen mit praktischen Elementen, beispielsweise durch Fallstudien oder die Möglichkeit betrieblicher Praktika, qualifiziert und erhalten damit mehr Chancen auf dem Arbeitsmarkt“, so Corlat. Von diesem Weiterbildungsangebot sollen – in Zusammenarbeit mit dem Arbeitsmarktservice – auch Arbeitssuchende profitieren.

Interesse wecken Bis zum Start der Pilotschulungen werden in engem Austausch mit Versicherungs- und Bankdienstleistern Curricula ausgearbeitet, die den Bedarf am Arbeitsmarkt widerspiegeln und vom Bildungsministerium akkreditiert werden. Entscheidend ist zudem, möglichst viele Banken und Versicherungsunternehmen, aber auch Mikrokreditinstitute und Buchhaltungsfirmen an Bord zu holen. „Seit Projektbeginn machen wir fleißig Werbung für das Projekt. Wir haben schon zahlreiche Betriebe gefunden, die einsteigen wollen, es sollen aber definitiv noch mehr werden“, gibt sich Corlat optimistisch.

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DAS UNTERNEHMEN


Das Grawe Team in Moldau

Versicherungsprofi aus Graz
Die Grazer Wechselseitige Versicherung AG wurde 1828 gegründet und ist heute der sechstgrößte Versicherungskonzern in Österreich, der Versicherungen, Banken und Immobilien unter seinem Dach vereint. Die GRAWE unterhält insgesamt 13 Tochtergesellschaften in Zentral- und Osteuropa, seit 2004 ist das Unternehmen auch in Moldau tätig und dort aktuell mit 350 Mitarbeitern der einzige Kompositversicherer.

© corporAID Magazin Nr. 74
Text: Melanie Pölzinger
Fotos: Callidus

 

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