Aus- und Weiterbildung

Verantwortung am Stundenplan

02/2018 - Nachhaltigkeitsmanagement spielt in vielen Unternehmen eine zunehmend größere Rolle. In Österreich gibt es eine Vielzahl an Weiterbildungsmöglichkeiten für all jene, die zum Thema nachhaltiges Wirtschaften ihre beruflichen Kompetenzen stärken wollen.

Zum Thema:

Interview mit Fred Luks, Wirtschaftsuniversität Wien

Aus- und Weiterbildungen Eine Auswahl

Jeder Student an der WU Wien muss über
Basics zu „zukunfts-fähigem Wirtschaften“ Bescheid wissen.

An Nachhaltigkeitsberichterstattung kommt man in Europa immer schwerer vorbei: Große kapitalmarktorientierte Unternehmen und Finanzinstitute müssen neuerdings entsprechend der nationalen Umsetzungsgesetze der EU-CSR-Richtlinie über ökologische und soziale Auswirkungen ihrer Geschäftstätigkeit Bericht legen. Da die betroffenen Unternehmen auch über Nachhaltigkeitskriterien ihrer Zulieferer Bescheid wissen sollten, werden im Domino-Effekt auch kleinere Unternehmen zunehmend von der Berichtspflicht betroffen sein.

Daraus entsteht neuer Qualifikationsbedarf für Mitarbeiter: Es wird wohl häufiger Menschen brauchen, die wissen, wie man über Umwelt- und Klimaschutz umfassend berichtet und wie man Daten zu Menschenrechten und Korruptionsbekämpfung sammelt und aufbereitet. Erstes Rüstzeug dazu lässt sich etwa durch Teilnahme an praxisorientierten Workshops zum meistgenutzten Rahmenwerk für nichtfinanzielle Berichterstattung der Global Reporting Initiative erlangen oder durch Absolvierung eines Corporate Social Responsibility und Nachhaltigkeitsmanagement-Kurses bei Quality Austria (siehe auch Aus- und Weiterbildungen).

Neuer Blickwinkel Im Thema Nachhaltigkeit steckt aber weit mehr als die Kunst, Daten aufzubereiten und Prozesse so darzustellen, dass regulatorischen Anforderungen Genüge getan wird. Die Neigung, „weiter wie bisher“ zu wirtschaften, ist zwar weit verbreitet. Doch angesichts großer Herausforderungen von Klimawandel bis zu drastischen demografischen Veränderungen sind Unternehmen immer öfter gefordert, neue Fragen zu beantworten: Wie lässt sich die Resilienz des Unternehmens stärken? Birgt das Trendthema Nachhaltigkeit eine strategische Dimension, die zu gänzlich neuen Produkten, Dienstleistungen oder sogar Businessmodellen führen könnte?

Für Fred Luks ist die Auseinandersetzung mit Nachhaltigkeit selbstverständlicher Baustein einer modernen Management-ausbildung. Luks leitet seit 2013 das Kompetenzzentrum für Nachhaltigkeit an der WU Wien, mit 23.000 Studierenden die größte Wirtschaftsuniversität Europas (siehe Interview). Heute muss jeder Student bereits in der ersten Studienhälfte die Lehrveranstaltung „Zukunftsfähiges Wirtschaften“ besuchen und sich mit der „Triple-Bottom-Line“ oder den Globalen Zielen für nachhaltige Entwicklung befassen. Das Ziel sei, so Luks, „dass jeder Absolvent mit dem Verständnis hinausgeht, dass wirtschaftliche Aktivitäten immer auch soziale Implikationen und ökologische Folgen haben“.


Markus Scholz leitet das Kompetenzzentrum für Unternehmens-führung und -ethik der FH Wien.

An der Fachhochschule Wien der Wirtschaftskammer Wien sind Studenten ebenfalls gefordert, über die vielfältigen Auswirkungen unternehmerischen Handelns zu reflektieren. Jedes Masterstudium enthalte heute Pflichtkurse in Wirtschafts- und Unternehmensethik, berichtet Markus Scholz, Leiter des Kompetenzzentrums für Unternehmensführung und -ethik: „Das ist inzwischen nicht nur internationaler Standard, sondern wird zunehmend auch von Arbeitgebern gefordert – Unternehmensethik ist im Management-Mainstream angekommen. Denn neben Regierungen, NGO und Kunden fordern zunehmend auch Shareholder von Unternehmen einen kompetenten Umgang mit den Themen Umwelt, Gesellschaft und Unternehmensführung.“ Die FH Wien bietet auch Nicht-Studenten einen niederschwelligen Einstieg, um auf dem breiten Feld der unternehmerischen Nachhaltigkeit erstes Wissen zu erlangen: Im März startet eine Vortragsreihe renommierter Experten beginnend mit Frank de Bakker, CSR-Professor an der IÉSEG School of Management.

Kurz und prägnant Wer lernen möchte, nachhaltiges Wirtschaften und CSR auf Organisationsebene tatsächlich umzusetzen, findet in Österreich einige Anlaufstellen. Die Wiener Nachhaltigkeitsberatung Plenum bietet heuer ab Mai bereits zum 14. Mal den in fünf Modulen absolvierbaren „Quint.Essenz“-Kurs an, der den Teilnehmern ein Grundgerüst dafür vermittelt, „wie sie auf gesellschaftlichen Wandel reagieren und unternehmerische Veränderungsprozesse bewerkstelligen können“, sagt Leiterin Sylvia Brenzel. Die Absolventen können sich anhand aktueller Praxisbeispiele und eines eigenen Umsetzungsprojekts wesentliche Kernkompetenzen aneignen. „Zudem erhalten sie einen sofort einsetzbaren Methodenkoffer und sind eingebettet in ein weites Alumni-Netzwerk“, so Brenzel.

Ebenso in fünf Modulen absolvierbar ist der Hochschullehrgang „Akademisch zertifizierter CSR-Manager“, den das Wirtschaftsethik Institut Weiss in Kooperation mit der Business School Cologne im November zum vierten Mal anbieten wird. Die Teilnehmer lernen im Rahmen des Lehrgangs – der übrigens im malerischen Stift St. Georgen in Kärnten stattfindet – unter anderem, „wie sie technologische und soziale Innovationen einführen können, faires Verhalten gegenüber Lieferanten anwenden oder wie verantwortungsbewusste Personalführung aussieht“, so Geschäftsführerin Martina Uster.

Neu am Markt ist ein Lehrgang des Weiterbildungsanbieters Schmid & Diamant, der sich speziell an mittelständische Unternehmen richtet, die einen Mitarbeiter zum hausinternen Nachhaltigkeitsexperten aufbauen wollen. Der im März startende Kurs der „Nachhaltigkeitsmanagement-Akademie“ will den Teilnehmern aufzeigen, wie sich durch den Hebel Nachhaltigkeit Wettbewerbsfähigkeit, Innovationskraft und Resilienz kleinerer Unternehmen steigern lassen.

Lang und umfassend Verschiedene Universitäten und Fachhochschulen bieten zudem berufsbegleitende postgraduale Ausbildungen, die in zwei bis vier Semestern absolvierbar sind. Ein Kurzstudium zum „Akademischen CSR-Manager“ kann man etwa an der FH Wien des Berufsförderungsinstitutes BFI in zwei Semestern abschließen. Zielgruppe sind Führungskräfte, CSR-Manager und Berater, die in Themen wie Wertemanagement, Nachhaltigkeitsberichterstattung oder neue gesetzliche Rahmenbedingungen fit werden wollen. In einem weiteren Jahr ist ein Abschluss als Master of Science in Nachhaltigkeit und verantwortlichem Management möglich.


Frisch gebackene Nachhaltigskeitsprofis
an der Modul University

Auch die Modul Universität Wien bietet ein Masterprogramm zum Thema Nachhaltigkeit an, das zwar als Vollzeitstudium angelegt ist, sich aber mit einer Teilzeitbeschäftigung kombinieren lässt, so Sabine Sedlacek, Vizerektorin und Leiterin des Instituts für Nachhaltigkeit, Führung und Methoden. Es sei zwar ein „eher forschungsorientiertes Programm“, in dem Unternehmen als eine Anspruchsgruppe unter vielen gesehen werden. Dennoch steht auch praxisrelevantes Know-how am Stundenplan, die Studierenden lernen Stakeholderanalysen kennen, erhalten einen Einblick in Umweltmanagementansätze und können Wahlfächer wie umweltfreundliche Unternehmensstrategien und soziales Unternehmertum belegen. Die Modul Universität bietet außerdem ein berufsfreundliches Diplomstudium zu „Öffentliche Führung und nachhaltige Entwicklung“ an, das laut Vizerektorin gerne von Personen gewählt wird, die entweder in der Verwaltung oder in internationalen Organisationen arbeiten, eigene Unternehmen gründen oder als Journalisten, Planer oder auch Bankangestellte arbeiten.

An den beruflichen Hintergründen lässt sich erahnen: Die Auseinandersetzung mit Nachhaltigkeit ist nicht auf eine spezielle Nische beschränkt, sondern wohl für immer mehr Branchen und Berufsbilder relevant. Wie viel von dem Gehörten und Gelernten zur Zukunftsfähigkeit von Unternehmen später tatsächlich beitragen kann, lässt sich den Kursprogrammen allerdings nicht entnehmen.

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© corporAID Magazin Nr. 74

Text: Katharina Kainz-Traxler
Fotos: Wirtschaftsuniversität Wien, FH Wien der WKW,
Markus Schieder

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